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 Tempo Boy 1951

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AbzweigLetter
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BeitragThema: Tempo Boy 1951   Di 01 Aug 2017, 18:11

Hallo Leute,

ich schreibe dies gewiss nicht, weil ich stolz auf den Verfall dieses kleinen und seltenen Autos bin!
Es soll mir ein Ansporn sein, die Restauration wirklich durchzuziehen - und Euch ein abschreckendes Beispiel und eine Warnung!

Er wurde im Jahre 1951 im Tempo-Werk Hamburg Harburg mit der Fahrgestellnummer 282 659 "erzeugt". Er hört seitdem auf den Vornamen Tempo und Nachnamen Boy.

Erworben hat ihn damals ein Gartenbaubetrieb in Schleswig-Holstein, genau genommen in Klingberg bei Pönitz. Das liegt in der Nähe von Scharbeutz in Ostholstein. Dort hat man ihm das Kennzeichen BS25-6090 zugeteilt (schwarzes Besatzungskennzeichen - Britische Zone Schleswig-Holstein).

1957 verschlug es ihn dann nach Niedersachsen. Er kam nach Everloh (Gehrden) im Landkreis Hannover zu einem Landwirt und Tischler. In diesem Jahr gab es dann auch schon das "moderne" Kennzeichen mit der Nummer H-N 528.

Es ist aus den Papieren bekannt, dass er bis 1966 seinen Dienst als Tischler-Fahrzeug verrichten durfte. Dann kam die Stilllegung und das Einmotten in einer trockenen Unterkunft.

Im Jahre 1975 wurde er dann dem Firmengründer und Senior-Chef der Spedition Biewendt/Hannover zum 25-jährigen Firmenjubiläum von seinen Mitarbeitern geschenkt. Der Chef hatte vor 25 Jahren mit einem weinroten Tempo Dreirad seine Karriere begonnen.
Zu diese Festanlaß wurde er deshalb in Weinrot lackiert - der Chef-Farbe.
Die Original-Lackierung war allerdings das typische Tempo-Grün.


Das älteste mir bekannte Foto von 1976 auf dem Werkshof der Spedition Biewendt, bereits in weinroter Lackierung.
Das Kennzeichen ist das alte "Jubiläums-Kennzeichen" von Herrn Biewendt - nicht das dieses Fahrzeugs


Damals durfte er mit roter Nummer immer wieder einige Runden drehen. Man sah ihn hin und wieder in Hannover - vor allem rund um das VW-Werk, am Nordhafen, der Schulenburger Landstraße oder im Bereich Herrenhausen/Leinhausen Stöcken. Zu dieser Zeit waren auch noch ein paar Dreiräder in der Nähe im "Echteinsatz", so dass dieser kleine Boy gar nicht so sehr auffiel.

Bald stand er jedoch als "Denkmal" ungeschützt über Jahre auf einem Garagendach - als Wahrzeichen der Spedition Biewendt. Er verfiel sichtlich und Rost machte sich breit.


So sah er aus, als ich ihn 1982 erwarb. Die Türen und die Haube sind vorhanden.
Die Pritschen-Verbreiterung über den Schutzblechen ist nicht original


Zwischen dem letzten Foto und dem davor liegen ungefähr 5 Jahre herumstehen bei Wind und Wetter - ungeschützt. Im Hintergrund sieht man meinen 1956er Hanseat (Hochpritsche), wie ich ihn damals aus erster Hand von einem Imker in Garbsen übernommen hatte. Rechts davon der 1950er Hebmüller-Woody, den inzwischen der Nobby in Arbeit hat (Haube hoch).

Dann kam der Kardinal-Fehler: Ich habe begonnen, das Fahrzeug zu zerlegen! Ich hatte zwar die Absicht, zügig mit der Restauration zu beginnen, aber daraus wurde nie etwas. Es kamen private Wirren, Kinder, Haus, Beruf, Gesundheit etc.
Alles war nun wichtiger, als ausgerechnet Tempo...

Dann kam alles in den einen Holzschuppen. So liegt er dort seit mehr als 20 Jahren und ist zerlegt. Das ist zwar relativ trocken, aber der Rostfraß ist nicht zu sättigen, wenn man nichts dagegen tut.


Kabine im alten Holzschuppen, dahinter der Rahmen an der Bretterwand


Wenn Ihr die Luftschlitze auf dem ersten Bild mit dem obigen vergleicht, dann kann man noch ahnen, dass es das gleiche Fahrzeug ist (fehlende Strebe).


Hier geht es um den grünen Farbton - die Original-Farbe dieses Tempo Boys


Die übergespritze weinrote Lackierung blättert ab, darunter kommt das originale Grün wieder zum Vorschein. Der Tempo Boy wurde seinerzeit werksmäßig nur in grün geliefert. Jede andere Farbe war eine Sonderlackierung (lt. Prospekt). Auch bei dem grauen Boy vom Christian ist diese Farbe verräterisch an der Rückwand der Kabine zu sehen.

Was war das für eine Farbe?
Gibt es diese Farbe heute noch?
Als Kinder sagten wir dazu "Gartenzaun-Grün", weil die Zaunlatten in unserer Straße oft den gleichen Farbton hatten.


Erschreckende Realität...


Auf dem oberen Foto tauchen noch die Flachten der Pritsche mit einem Schutzblech wieder auf. Selbstverständlich sind sämtliche Holzteile zu erneuern.


Die Substanz ist besser, als man auf den ersten Blick meint...


Auch ein paar Vögel haben den Weg in den Holzschuppen gefunden und ihre Spuren hinterlassen.


Rahmen-Traverse voller Rostnarben


An einigen Stellen ist das Blech nicht mehr tragfähig und muss erneuert werden. Gut, dass es nur Abkant-Bleche sind, die man problemlos ersetzen kann.


Rahmen-Traverse der Führerhaus-Rückwand abgeknickt


Genug des grausamen Spiels!

Gut - der Sandstrahler wird sich freuen! Da ist einiges zu erneuern und zu schweißen. Ich bin gespannt, wie die Teile vom Strahlen zurück kommen.
Aber das wird erst sein, wenn in der Garage wieder Platz ist.

Anmerkung: Die Reifengröße war bei Übernahme des Fahrzeuges 5.00x16 auf Felgen 3.25Dx16. Lt. Brief müssten 4.50x16 auf 3.00Dx16 montiert sein. Das sieht m. E. auch besser aus - zur besseren Unterscheidung vom Hanseat.

Fortsetzung folgt, wenn die ersten Teile mal restauriert sind... (Augen zu und durch!).

Gruß

Uwe


Zuletzt von AbzweigLetter am So 20 Aug 2017, 13:46 bearbeitet; insgesamt 6-mal bearbeitet
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jcolberg
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BeitragThema: Re: Tempo Boy 1951   Mi 02 Aug 2017, 20:53

Hallo Uwe,

ich will Dir mal ein wenig Mut machen: Die privaten Wirren kenne ich auch irgendwie, man nennt es auch das Leben. Beim einen so, beim anderen so. Der Zustand meines Dreirades ist auch nicht besser. Also willkommen in Club, das wird schon. Die richtige Einstellung zu Blech hast Du ja schon mal. Der Tipp, den ich frühzeitig bekommen habe, so viel wie möglich zusammen im Stück zu lassen, hilft hier auch erst einmal nun denen, die das rechtzeitig lesen. Aber wo sollte man sonst anfangen, als mit dem Rahmen. Bei mir hat das zur Folge, dass ich mit einem anderen Rahmen anfange, ein neues Fahrzeug zu bauen.
Nun zu Deiner eigentlichen Frage, der Farbe. Hast Du mal einen Blick auf die Farbtafeln geworfen? Ich weiß jetzt nicht, ob die hier im Forum veröffentlicht wurden, aber auf jeden Fall im Mitgliederbereich des Clubs zu finden. Wenn das nicht hilft, gibt es heute sehr gute Möglichkeiten, aus einem noch vorhandenen Original die Farbe zu bestimmen und neu anzumischen. Wenn Du mehr Infos dazu brauchst, fällt mir bestimmt auch noch ein, wer das so gemacht hat.
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BeitragThema: Tempo Boy 1951   Fr 04 Aug 2017, 13:05

Hallo Jens, hallo Leute,

danke für Deine aufmunternden Worte.

So ein Tempo Boy ist ja relativ überschaubar. Ich werde meine beiden Hanseat "verlegen" in eine andere Garage, solange die nicht verkauft sind.
Dann habe ich hier Platz zum Schrauben - dann kann's losgehen. Das wird aber nicht vor dem nächsten Jahr sein.


Mein Tempo Boy 1951 bei Spedition Biewendt in den 1970ern


Dieses Foto aus besseren Zeiten meines Tempo Boy habe ich noch gefunden. Vielleicht wird er ja wieder eines Tages so ähnlich dastehen. Allerdings in Tempo-Boy-Grün (???) und mit der Bereifung 4.50x16 auf 3.00Dx16.

Mich würde es jedenfalls freuen.

Gruß

Uwe
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BeitragThema: Tempo Boy 1951   Fr 25 Aug 2017, 17:38

Hallo Leute,

auch Kleinigkeiten machen glücklich.

So kann ich Euch heute das erste fertige Bauteil für den Tempo Boy präsentieren:


Solche Felgen und Reifen suche ich noch!


Es ist ein Reifen der Größe 4.50x16 auf meiner einzigen vorhanden Felge der von mir gesuchten Größe 3.00Dx16.

Wie gesagt - Angebote bitte an mich!

Der Reifen musste mein Borgward FW200 (Dreirad-Tiefpritsche) erst einmal opfern. Eigentlich hatte ich den für dieses Fahrzeug vorgesehen. Er war tatsächlich auf dem Vorderrad dieses Borgwards und war noch in Ordnung. Sogar das Gummi ist noch nicht verhärtet.

Das war noch Qualität, damals!


Continental-Vorkriegs-Reifen noch intakt!


Warum will ich unbedingt 4.50er Schlappen auf dem Boy?

Die Antwort zeigt dieses Bild:

Durchmesser: Vorn 4.50x16, hinten 5.50x16er Reifen


Der Reifen ist deutlich schmächtiger, als ein 5.50x16, wie ich sie auf dem Hanseat fahre. Der Boy soll ganz klar ein Boy sein - die Reifengröße ist mir dabei sehr wichtig!


Schmale Schlappen und breite Puschen - links 4.50x16, rechts 5.50x16


Ringt Euch durch und trennt Euch von Schrott, den Ihr nicht benötigt!

Gute 5.50er auf Felgen 3.50Dx16 hätte ich übrigens noch zwei für Euch übrig - z. B. im Tausch gegen die mir fehlenden 4.50er auf 3.00Dx16!

Gruß

Uwe
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BeitragThema: Re: Tempo Boy 1951   Sa 26 Aug 2017, 22:16

Hallo Uwe,

war denn nicht nur der vordere kleiner, wegen des schwächeren Motors?
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BeitragThema: Re: Tempo Boy 1951   So 27 Aug 2017, 01:07

Hallo Jens,

bei den Nachkriegs-Dreirädern wurden alle drei Räder werkseitig mit der gleichen Bereifung geliefert. Ob Sonderwünsche für besondere Zwecke erfüllt wurden, ist mir unbekannt.

In meinem Original-Brief ist nicht angegeben, dass vorn 4.50-16 und hinten 5.00-16 eingebaut werden mussten oder waren. Es sind lediglich beide Größen wahlweise für alle Räder eingetragen.

Prospektblatt 1951:

Boy annähernd mit meiner Aufbau- und Fahrgestell-Variante - augenscheinlich mit 4.50-16 bereift


Der Boy wurde werksseitig wahlweise mit der Bereifung 4.50-16 oder 5.00-16 geliefert - auf allen Rädern die gleiche Größe. Das wirkte sich zumindest bis zum Modell 1953 nicht auf die Nutzlast aus. Bei der Gesamtübersetzung war das allerdings schon ein Unterschied, denn der Boy war mit den kleineren Rädern agiler im Fahrverhalten.


Im Prospekt 1951 ist nur die Bereifung 4.50-16 angegeben - nicht 5.00-16


Der Hanseat wurde werksseitig bis Modelljahr 1953 nur mit Bereifung 5.50-16 geliefert. Ab Hanseat '53 wurde auf Wunsch auch 6.00-16 verbaut (welche Felgengröße dann werksseitig?).
Mit 6.00-16 und Öldruckbremse erhöhte sich die Nutzlast des Hanseat von 790 auf 900 kg.

1953 führte Tempo bei den Dreirädern die Öldruckbremse ein.
Über den Boy habe ich für das Modell 1953 keine Unterlagen. Ich glaube aber, dass auch die Boy Öldruckbremse bekamen.

Offene Fragen:

Ob 1953 auch beim Boy durch Einführung der Öldruckbremse mit größerer Bereifung ebenfalls eine Erhöhung des zulässigen Gesamtgewichts verbunden war, kann ich leider nicht sagen.

Was mich soeben kalt erwischt: Im Boy-Prospekt 1951 ist ausschließlich die Reifengröße 4.50-16 genannt - anders, als in meinem 1951er Brief fest verdrahtet...

Außerdem überrascht mich in diesem Zusammenhang die Tatsache, dass der 200er Motor mit 7,5 PS mit der Handanreiß-Vorrichtung hier bereits nicht mehr angeboten wird (Rasenmäher-Motor).

Vielleicht kann uns ein Wissender über die offenen Fragen aufklären?

Gruß

Uwe
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